Was sind eigentlich… Business Angels?

Business Angels

Spätestens seit der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, bei der erfahrenen Investoren innovative Geschäftskonzepte vorgestellt werden, ist das Prinzip der Startup-Finanzierung durch Privatinvestoren einem Millionenpublikum nähergebracht worden. Vielen stellt sich dabei jedoch die Frage, welche Ziele die Kapitalgeber mit ihren Investitionen verfolgen und welche Vorteile sich Startups dadurch erhoffen. Dieser Artikel geht näher darauf ein und stellt die Finanzierung durch erfahrene Investoren genauer vor.

 

Business Angels sind Privatinvestoren

Die Finanzierung durch private Gesellschafter wird vor allem in der den frühen Gründungsphasen genutzt. Ziel dieser ist es, Unternehmen am Markt zu positionieren und auf andere Finanzierungsarten, wie etwa das Engagement institutioneller Investoren, vorzubereiten. Die finanzielle Unterstützung erfolgt dabei im Austausch mit Anteilen am unterstützten Startup.

Eine spezielle Ausprägung von Privatinvestoren sind sog. „Business Angels“, welche als die wichtigsten Early Stage Investoren angesehen werden, da sie mehr Geld in der Seed-Phase investieren als etwa Venture Capital-Geber. Sie lassen sich vor allem durch zwei Merkmale charakterisieren: Das Vorhandensein von substanziellem Privatvermögen und einer großen unternehmerischen Erfahrung. Dieses Wissen stammt dabei aus der Gründung und dem Aufbau eines oder mehrerer Unternehmen. Obwohl Begriffe wie „Business Angel“ und „Privatinvestor“ synonym verwendet werden, unterscheiden sie sich vor allem hinsichtlich ihrem Engagement über finanzielle Transaktionen hinaus. Durch aktive Mithilfe in beratender Funktion erbringen Business Angels jungen Wachstumsunternehmen einen Mehrwert. Sie stellen Jungunternehmern folglich nicht nur Eigenkapital, sondern auch spezielles Branchen Know-How zur Verfügung, von welchem vor allem unerfahrene Gründer profitieren können. Im Zuge dessen fällt häufig der Begriff „Smart Money“.

 

Unterstützungsleistungen durch Business Angels

Quelle: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

 

Investitionen erfolgen bevorzugt in Branchenfeldern, in denen die Kapitalgeber selbst sachkundig sind oder direkt im regionalen Umfeld. Meist schließen sich Business Angels zu Netzwerken zusammen, um gemeinsam nach jungen Wachstumsunternehmen zu suchen und sich an diesen zu beteiligen. Zudem bieten diese Verbände eine zentrale Anlaufstelle für Neugründer und Investoren.

 

Die Investmentmotive deutscher Business Angels sind genauso vielfältig wie die heterogene Gruppe dieser Investoren selbst. So gaben 98 Prozent der deutschen Investoren im Rahmen einer von Brettel et al. durchgeführten Umfrage an, dass die Unterstützung junger Unternehmen vornehmlich dazu dient, um Spaß zu haben. Als Konsequenz kann es durchaus vorkommen, dass die Gewinnabsicht fast vollständig in den Hintergrund tritt.

 

Ziele von Business Angels

 

Business Angels befolgen in der Regel nicht nur ein Ziel, sondern ein Bündel an verschiedensten unternehmerischen und monetären Zielen. Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten, dass sich die außerökonomischen Ziele als zentrales Motiv für die Unterstützung durch Business Angels sehr von denen institutioneller Investoren unterscheiden.

 

Business Angels in Deutschland

In Deutschland sind rund 1.500 registrierte Mitglieder in einem der 40 speziellen Business Angel Gesellschaften organisiert. Weitere Mitglieder sind zudem häufig Banken, Berater, Anwälte, Industrie- und Handelskammern oder aber Venture Capital-Gesellschaften. Diese treten oftmals als Co-Investoren auf oder analysieren attraktive Startups, die zukünftig finanziell unterstützt werden könnten. Der Großteil der Privatinvestoren sind jedoch sog. „Silent Angels“, welche nicht in solchen Netzwerken organisiert sind und explizit die Öffentlichkeit suchen. Aufgrund dieser Aufsplitterung der Business Angel Szene ist es schwer, verlässliche Zahlen zu erhalten. Nach Schätzung von ZEW und BAND gibt es derzeit rund 7.500 bis 8.000 aktive Business Angels. Das Wachstum im Zeitraum von 2007 bis 2014 betrug dabei knapp 90 Prozent.

Vor allem im Jahr 2014 hat das Investitionsvolumen der deutschen Business Angels stark zugenommen, während es in den darauffolgenden Jahren wieder etwas abgeflaut ist. In der Zeitspanne von 2009 bis 2012 wurden jährlich im Mittel rund 650 Mio. Euro investiert, während im Vergleich hierzu rund 590 Mio. Euro via Venture Capital investiert wurden. Im Durchschnitt ist jeder dieser Angel in rund fünf Startups involviert und hält durchschnittlich bis zu 10 Prozent der Firmenanteile, während knapp jede fünfte Beteiligung zwischen 11 und 25 Prozent der Anteile beinhaltet.

Hierbei werden bis zu 20 Prozent des Gesamtvermögens, meist jedoch nicht mehr als 500.000 Euro insgesamt pro Unternehmen, investiert. Business Angels investieren zwar häufig in Branchen, in denen sie bereits Erfahrungen gesammelt haben. Nichtdestotrotz ist erkennbar, dass allen voran Umwelttechnologien, gefolgt von Web-Services/E-Business und Energie zu den präferierten Branchen gehören. Darüber hinaus spielt die Lebenszyklusphase, in denen sich unterstützte Startups befinden, bei Business Angel-Investitionen meist nur eine nachrangige Folge. Dies stellt ein signifikantes Differenzierungsmerkmal zu Venture Capital-Investitionen dar, welche sich vermehrt auf die Finanzierung der Wachstumsphase fokussieren.

Typische Investments von Business Angels erstrecken sich auf vier bis sieben Jahre, womit sie auf einen kürzeren Zeitraum als Venture Capital-Investitionen ausgelegt sind. Im Durchschnitt endet ein Drittel dieser mit einem Totalausfall aufgrund von Insolvenz, bei einem weiteren Drittel egalisieren sich Investitions- und Gewinnsumme. Lediglich ein Drittel aller Business Angel Investitionen erwirtschaften Gewinne.

Aus Gründersicht können Business Angel-Investitionen folglich dabei helfen, finanzielle Engpässe zu schließen und ein wichtiges Bindeglied zu Anschlussfinanzierungen darstellen. Zudem können vor allem unerfahrene Gründer von der operativen Unterstützung durch erfahrene Kapitalgeber profitieren und ihr Unternehmen langfristig am Markt etablieren.

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